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Nur Schall und Rauch? 5 Tipps für passende Namen von Romanfiguren

Buchstabensalat

Zu einer authentischen Figur gehört auch ein passender Name. Wichtig hierbei sind der zeitliche und kulturelle Bezug, der Klang, die hervorgerufenen Assoziationen – etwa bei berühmten Namen der Zeitgeschichte – sowie die Namensbedeutung. Damit ist es aber nicht getan. Der Autor sollte bei dem Namensmix seiner Figuren auch an den Leser denken und für eine gute Unterscheidbarkeit sorgen.

Die Wahl des passenden Namens

Bei der Wahl der Namen für meine Figuren achte ich auf folgende Punkte:

  • Verbreitung
    Da ich keine Fantasy und keine historischen Romane schreibe, nehme ich gebräuchliche Namen und kreiere keine eigenen. Meine Namen sind also zeitgenössisch und dort, wo meine Geschichte spielt, geläufig. Bei einem historischen Roman würde ich dahingegen darauf achten, dass der Name in die entsprechende Zeit passt, bei Fantasy oder Science-Fiction würde ich durchaus auch Namen entwerfen. Zu meinem bevorzugten Genre passt es aber nicht.
    Ich achte außerdem darauf, auf Sonderzeichen zu verzichten. Ich persönlich nehme also beispielsweise keine Namen mit Umlauten. Wer weiß, vielleicht werden die Bücher ja eines Tages übersetzt. Dann sollen auch die Leser in den Zielsprachen keine Probleme mit den Namen haben.
  • Klang
    Der Klang des Namens, wenn man ihn ausspricht, muss zu der Figur passen. Klingt der Name eher weich oder hart? Zischlaute (wie ein scharf gesprochenes S) und Plosive (wie etwa T oder P) lassen einen Namen eher hart klingen, wohingegen stimmhafte Konsonanten (zum Beispiel M oder L) ihn weicher erscheinen lassen.
    Ein Name kann auch dunkel oder hell und leicht klingen. Hierfür sind in erster Linie die Vokale verantwortlich. A und I klingen heller als U und O.
  • Assoziationen
    Ist der Vorname eher in der sogenannten Unterschicht gebräuchlich oder hat er vielleicht einen aristokratischen Bezug? Maximilian-Bartholomäus ruft vor meinem geistigen Auge einen anderen Charakter hervor als Kevin oder ein universell einsetzbarer Name wie Peter. Das gilt auch für Nachnamen.
    Hinzu kommen bei mir noch persönliche Sympathien. Vermutlich kennt das jeder: Manche Namen sind negativ besetzt, weil man bei ihnen an jemanden denken muss, der einem unsympathisch ist. Umgekehrt gibt es auch positiv besetzte Namen. Das ist höchst subjektiv und natürlich kann es sein, dass ein Name, den ich mag, bei einem Leser eine negative Assoziation hervorruft. Das Risiko kann man niemals ganz umgehen. Es gibt aber auch übergreifend negativ besetzte Namen. Ich würde meinen Held beispielsweise niemals Adolf nennen, auch wenn es sicherlich einige nette Adolfs auf der Welt gibt.
  • Bedeutung
    Namen haben in der Regel eine ursprüngliche Bedeutung. Diese sollte zum Charakter der Figur beziehungsweise zu ihrer Funktion in der Geschichte passen. Dabei bin ich hier nicht ganz so streng: Eine Figur macht in einer Geschichte eine Veränderung durch. Die Namensbedeutung kann zur Ausgangssituation oder zur Figur nach dem Wandel passen.
    In Krimis und Thrillern wird zudem oft der wahre Bösewicht bis zum Ende verschleiert. Da könnte die Namenswahl je nachdem einer Leuchtspur gleichkommen, die es zu vermeiden gilt. Die Bedeutung des Namens darf bei mir daher auch gern mit dem Bild übereinstimmen, das die Figur von sich bei anderen erzeugt.
    Es gibt sehr hilfreiche Websites, um die Bedeutung und Herkunft von Vornamen herauszufinden. Sie können auch als Anregung bei der Namensfindung dienen. Ich nutze zum Beispiel beliebte-vornamen.de und vorname.com. Update: In den Kommentaren wurde auf ein weiteres Portal aufmerksam gemacht, das ich mir angesehen habe und das mir gut gefällt. Es bietet ebenfalls komfortable Suchmöglichkeiten, unter anderem kann man sich hier gezielt Namen nach der gewünschten Bedeutung anzeigen lassen, auch kombinierte Suchanfragen sind möglich: baby-vornamen.de.
  • Unterscheidbarkeit
    Der Autor verbringt Monate mit der Planung und dem Schreiben seines Romans. Schon nach kurzer Zeit sind ihm die Namen seiner Figuren so vertraut wie die von realen Personen. Ein Leser kennt dagegen die Hintergründe der Figurenentwicklung nicht. Er lernt eine Figur bei ihrem ersten Auftritt in der Geschichte kennen und verbringt einige Lesestunden mit ihr, nicht Monate. Gerade bei einem größeren Personal, wie in Romanen üblich, sollte der Autor den Leser darin unterstützen, die Figuren gut unterscheiden zu können, sonst drohen Verwirrung und im schlimmsten Fall Verärgerung.
    Für eine bessere Unterscheidbarkeit der Namen sind drei Dinge wesentlich:
    – unterschiedliche Anfangsbuchstaben
    – unterschiedliche Längen
    – unterschiedlicher Klang
    Mark, Matthias und Mirko sind zwar sehr unterschiedliche Namen, haben unterschiedlich viele Silben und klingen auch unterschiedlich, aber ein Leser hätte beim Auseinanderhalten der Figuren aufgrund der gleichen Anfangsbuchstaben vermutlich dennoch Probleme – vor allem, wenn die Figuren häufig miteinander in gleicher Situation auftauchen, weil sie beispielsweise miteinander befreundet sind.
    Katja, Tanja und Sandra haben zwar unterschiedliche Anfangsbuchstaben, aber sie sind allesamt zweisilbig und klingen ähnlich. Auch hiermit erschwert ein Autor dem Leser das Auseinanderhalten der Figuren.

Worauf achtest du bei der Namensfindung für deine Figuren? Hast du weitere Tipps? Ich freue mich über Kommentare!


Bildnachweis: S. Hofschlaeger / pixelio.de


  1. Hallo Kerstin,

    zu deiner Frage:
    -wenn ich einen Namen für meine Figuren suche google ich „Namensbedeutung (bspw.) Befreierin“ und dann kann wurschtel ich mich so lange durch die Informationen, bis ich einen Namen gefunden habe, der mir gefällt
    -dabei achte ich natürlich auch auf das Alter der Figuren und die Wichtigkeit in der Story.
    -wenn bspw. der Hauptakteur nebenbei an der Bar arbeitet und im Roman vielleicht dreimal mit Stammkunden redet heißen die Hans, Peter, Klaus etc.
    -da ich ein Fan von ausgefallenen Namen bin würde meine Hauptakteurin Lisanne und nicht Elisabeth oder Anna heißen, denn die Namen die noch nicht „verbraucht“ sind, prägen doch am meisten
    ‚-> http://www.baby-vornamen.de/Maedchen/L/Ly/Lysann/ (dabei habe ich es wie oben beschrieben bei Google eingegeben)

    Das wars eigentlich schon, sonst kann ich nur viel wiederholen (:

    Liebe Grüße
    Micky

    Mai 1, 2014
    • Hi Micky,

      oh, ich hatte ja noch gar nicht auf deinen Kommentar geantwortet. Dein Hinweis auf die Wichtigkeit der Figur im Roman ist eine sehr gute Ergänzung, danke! Stimmt, bei mir haben die unwichtigeren Nebenfiguren in der Regel auch Allerweltsnamen. Danke auch für den Link auf ein weiteres Namensfindungsportal. Das schaue ich mir mal genauer an.

      Dir weiterhin viel Spaß am Schreiben und viel Erfolg!
      Kerstin

      Mai 29, 2014
  2. Wenn ich so frei sein darf, hier habe ich meine Gedanken zum Thema Namensfindung für Romanfiguren niedergeschrieben: https://www.autorenblog.at/2013/07/besser-schreiben-charaktere-benennen/

    LG
    euer begeisterter Blogleser
    Klaus

    Dezember 30, 2015
  3. Danke für diesen Beitrag. Ja Namen sind so ein Thema. Ich gehe übrigens für altmodische Namen gerne auf Friedhöfe. Die erweisen sich da oft als wahre Fundgruben. Alles Liebe H.

    Dezember 30, 2015

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