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Verlagsveröffentlichung und Selfpublishing im Vergleich: Meine sehr persönliche Sicht im Interview mit Stephan Waldscheidt

Cover Klüger publizieren für Verlagsautoren und Selfpublisher

Stephan Waldscheidt ist bekannt für seine hilfreichen Autorenratgeber. Mit „Klüger publizieren für Verlagsautoren und Selfpublisher“ ist soeben sein neuestes Werk erschienen. Darin beantworte ich in einem Kurzinterview Fragen zu mir, zum Pro und Kontra Verlag beziehungsweise Selfpublishing sowie zu den Erfolgsfaktoren für Autoren beider Veröffentlichungswege – Informationen, die ich den Lesern meines Blogs natürlich nicht vorenthalten möchte. Hier also das Interview.

Stellst du dich bitte kurz vor: Was du schreibst, wo du veröffentlichst, vielleicht etwas über das Literaturjournal und weitere Pläne …

Ich arbeite als Journalistin und veröffentliche als solche in sehr unterschiedlichen Medien. Im literarischen Bereich bin ich zudem als Lektorin und Übersetzerin tätig – sowohl für Verlage als auch für Selfpublisher. An eigenen literarischen Werken habe ich in der Vergangenheit vor allem Kurzgeschichten geschrieben. In der Anfangszeit habe ich einige davon in einem Internetforum veröffentlicht, um mich mit anderen darüber auszutauschen und Feedback zu bekommen. Ein paar ganz frühe Gehversuche sind sicherlich noch online, eine Kurzgeschichte ist auch in einer Anthologie erschienen. Neben meiner Arbeit als Übersetzerin schreibe ich inzwischen Romane, konkreter: Thriller. Der erste ist in der Überarbeitung, der zweite fertig geplant, sodass ich bald mit dem Schreiben der Rohfassung beginnen kann, und ich habe Ideen für viele weitere Stand-alone-Titel sowie für eine Serie.

Daneben publiziere ich Artikel zum Schreiben, Veröffentlichen und zum Buchmarketing auf Literaturjournal.de, meinem Blog mit Tipps und Branchennews für Autoren. Dabei helfen mir meine Tätigkeiten als Lektorin und Übersetzerin sowie meine gute Vernetzung in der Branche. Das Blog wird sehr gut angenommen, was mich ungemein freut, allerdings würde ich mir wünschen, ich hätte mehr Zeit dafür. Ich habe extrem viele Ideen für Inhalte in unterschiedlichen Formaten, aber der Tag hat leider nur 24 Stunden. Das Blog, das ins Leben gerufen wurde, um anderen Autoren weiterzuhelfen, ist jedoch eine Herzensangelegenheit von mir und wird weiter ausgebaut werden.

Du schreibst an einem Roman (wie ich auf deinem Blog gelesen habe).
Suchst du dafür einen Verlag? Warum? Warum nicht?

Das ist eine schwierige Frage, wie auch am Umfang dieses Ratgebers leicht zu erkennen ist. Immerhin haben sowohl eine Verlagsveröffentlichung als auch eine Veröffentlichung als Indie-Autor jeweils Vor- und Nachteile. Bisher lautete meine offizielle Antwort – auch mir selbst gegenüber: Ich habe mich noch nicht entschieden, die Entscheidung fällt erst, wenn der Roman fix und fertig ist. Doch als ich die Frage hier nun ähnlich beantworten wollte, fiel mir auf, dass ich sehr wohl eine deutliche Tendenz habe, und zwar in Richtung Selfpublishing. So habe ich mir beispielsweise bereits Lektoren ausgeguckt, mit denen ich an dem Roman arbeiten möchte, und ertappe mich immer wieder dabei, auf den Seiten von Grafikern beziehungsweise Coverdesignern zu schauen, wessen Stil meinen Vorstellungen entspricht. Alle Faktoren wiederzugeben, die beim Abwägen der beiden Alternativen eine Rolle spielten und spielen, würde den Rahmen sprengen. Daher hier nur die wichtigsten, die für mich zurzeit die Nadel in Richtung Selfpublishing ausschlagen lassen: Ich habe gern die Kontrolle, gerade bei solch Herzblutprojekten wie einem eigenen Buch. Daneben sind natürlich auch die deutlich höheren Tantiemen im Vergleich zu denen bei einem Verlag nicht zu verachten. Selbstverständlich leistet ein Verlag auch eine Menge, aber Lektorat, Korrektorat und Coverdesign kann ich ebenso am freien Markt beauftragen, wie das viele Verlage auch tun, und mir die Dienstleister dabei sogar nach meinen Vorstellungen aussuchen. Und um das Marketing müssen sich heutzutage so oder so (auch) die Autoren kümmern – außer man heißt Stephen King, Dan Brown oder J. K. Rowling. Die zusätzlichen Aufgaben, die mit dem Selfpublishing einhergehen, schrecken mich nicht, denn daran bin ich als Freiberuflerin gewöhnt.

Langfristig strebe ich allerdings ein Hybridmodell an, das aus meiner Sicht sowohl Autor als auch Verlag zugutekommt. Hybridmodell heißt, dass einige Werke in einem Verlag erscheinen und man als Autor zusätzlich weitere Werke in Eigenregie auf den Markt bringt. Die Vorteile dieses Modells für Autoren: die „Legitimation“ durch einen Verlag (leider werden heutzutage ja Selbstveröffentlichungen noch oft stigmatisiert, auch wenn das zum Glück nachlässt), durch die Verlagsveröffentlichung steht der Vertriebsweg über die Buchhandlungen offen und damit eine weitere Leserschaft als rein über Onlineplattformen sowie die Möglichkeit, durch zusätzliche Veröffentlichungen als Selfpublisher mehr und schneller publizieren zu können, als es die Programmplätze und Strukturen im Verlag hergeben – und an diesen Werken höhere Tantiemen pro verkaufter Einheit zu verdienen. Vorteil für Autor und Verlag: Es bieten sich mehr Möglichkeiten für potenzielle Leser, den Autor zu entdecken. Wer daraufhin zum Fan wird, sucht und kauft auch die anderen Bücher des Autors – egal auf welchem Weg diese erschienen sind. Denn die Marke ist der Autor, ein Verlagslabel nehmen die meisten Leser gar nicht wahr.

Was muss ein Verlag bieten, um attraktiver als Selfpublishing zu sein?

Ein Verlag ist so gut wie seine Mitarbeiter. Mir wäre die Zusammenarbeit mit sehr erfahrenen, kompetenten Menschen wichtig – egal, ob diese festangestellt sind oder frei für den Verlag tätig. Ich würde mir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit wünschen, die ein Mitspracherecht zum Beispiel bei Titel und Cover beinhaltet, dass der Verlag sich also zumindest die Vorschläge anhört, ernsthaft darüber nachdenkt und daran interessiert ist, eine Lösung zu finden, mit der alle glücklich sind. Und ich würde mir Vertragslaufzeiten je Werk von maximal fünf Jahren wünschen. Das wären die Grundvoraussetzungen, um in diesen Bereichen nicht schlechter als im Selfpublishing zu stehen. Was ihn aber sogar attraktiver machen würde, wäre die Garantie, das Werk in die Buchhandlungen zu bringen (schließlich ist das auch bei Verlagsveröffentlichungen nicht automatisch der Fall) sowie ein umfassendes, ausgeklügeltes Marketingkonzept mit Maßnahmen, die man als Selfpublisher kaum stemmen kann.

Was müsste sich im Buchmarkt ändern, um Selfpublishing attraktiver zu machen?

Das Stigma, das Selfpublishing immer noch mit sich herumschleppt, müsste endlich verschwinden. Lustigerweise ist es hauptsächlich in der Branche selbst verankert, die Leser sind meist deutlich aufgeschlossener. Der stationäre Buchhandel sollte sich auch Selfpublishern gegenüber öffnen, wobei ich volles Verständnis dafür habe, dass die Buchhändler bei der Flut der Neuerscheinungen nicht alles lesen und prüfen können – und ja, ehrlicherweise erscheint auch viel Schrott, den ich mir auch nicht ins Regal stellen würde. Doch das, was sich online gut verkauft, könnte man zumindest einmal ins Auge fassen und bei Gefallen Konditionen akzeptieren, die Selfpublisher gegenüber Verlagen nicht benachteiligen. Ich glaube, dass davon auch die Buchhandlungen profitieren könnten, denn sie würden ihren Kunden die Gelegenheit geben, ungewöhnliche Literatur entdecken zu können, und so die Kundenbindung stärken.

Ein weiterer Punkt sind Wettbewerbe und Mitgliedschaften in Verbänden und Vereinigungen. Zwar werden nun auch Preise speziell für Indie-Literatur ausgelobt, doch als Selfpublisher hätte ich sowieso den Anspruch, ein professionelles Produkt auf den Markt zu bringen, das hinter dem der Verlage nicht zurückstehen muss. Warum also nicht in die direkte Konkurrenz gehen? Warum müssen die wirklich relevanten Buchpreise sich gegenüber dem Selfpublishing abschotten? Und warum manche Schriftstellerverbände auch heute noch eine Verlagsveröffentlichung als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft verlangen, ist mir ein Rätsel. Professionalität als Autor hat nichts mit dem Veröffentlichungsweg zu tun, den jemand beschreitet, sondern mit seiner Arbeitshaltung und damit, wie gut er sein Handwerk beherrscht.

Welche Eigenschaften sollten Autoren mitbringen, um erfolgreich zu sein – als Verlagsautor und/oder als Selfpublisher?

Die absolut wichtigsten Eigenschaften gelten für beide: Sie müssen kreativ sein, gute Ideen haben und diese als solche erkennen können, und natürlich müssen sie gut schreiben können. Für den Erfolg ist in erster Linie ein gutes Produkt wichtig – und um das erschaffen zu können, müssen sowohl Verlagsautoren als auch Selfpublisher ihr Handwerk verstehen und beherrschen. Hinzu kommen Fleiß und Disziplin – das Schreiben und Überarbeiten eines Buches geht nun mal nicht von heute auf morgen. Auch Kritikfähigkeit ist wichtig und der Wille, an sich zu arbeiten und sich stetig zu verbessern. Und es schadet ebenfalls beiden nicht, kommunikativ zu sein und sich zu zeigen, sei es auf Social-Media-Plattformen oder auf Messen, Lesungen und anderen Veranstaltungen. Als Selfpublisher ist man für das Marketing sowieso selbst verantwortlich, aber auch Verlage freuen sich, wenn ihre Autoren aktiv werden und dazu beitragen, ein Werk bekannt zu machen.

Selfpublisher müssen darüber hinaus auch unternehmerische Qualitäten mitbringen. Die umfassen zum Beispiel die Auswahl von Dienstleistern wie Lektoren und Grafikern, das Verhandeln über die konkreten Leistungen und die damit verbundenen Honorare, die Kalkulation des Abgabepreises ihrer Produkte (= Bücher), die Entscheidung über die Vertriebswege, die Planung und Kalkulation von Werbemaßnahmen und vieles mehr. Als Selfpublisher ist man ein Unternehmer, das darf man nicht verkennen. Wen das abschreckt, der ist sicherlich bei einem Verlag besser aufgehoben.


Klüger publizieren für Verlagsautoren und Selfpublisher

Das oben wiedergegebene Interview mit mir ist nur ein winzig kleiner Bruchteil des Inhalts von „Klüger publizieren für Verlagsautoren und Selfpublisher“, dem neuen Autorenratgeber von Stephan Waldscheidt. Auf über 500 Seiten (Schätzung durch Amazon) bietet dieses Werk jede Menge Insiderwissen (unter vielen, vielen anderen Punkten zu Exposé, Layout, Vertrieb, Marketing, Rechten, Verträgen) sowie Pro- und Kontra-Listen zu Verlagsveröffentlichungen und/oder Selfpublishing – und damit echte Entscheidungshilfen. Was Stephan Waldscheidt diesbezüglich zu einem Experten macht? Der Schriftsteller, Skriptdoktor und Autorenberater kennt beide Welten: Unter dem Pseudonym Paul Mesa veröffentlicht er Romane im Verlag, seine Ratgeber bringt er selbst heraus. „Klüger publizieren für Verlagsautoren und Selfpublisher“ gibt es noch für kurze Zeit zum günstigen Einführungspreis:

Stephan Waldscheidt
KLÜGER PUBLIZIEREN für Verlagsautoren und Selfpublisher: So veröffentlichen Sie Ihr Buch erfolgreich im Verlag oder Selfpublishing und treffen die besten Entscheidungen für Ihre Karriere als Autor
Umfang: ca. 509 Buchseiten (Amazon)
Preis: 4,99 Euro / ab Mitte September 9,99 Euro
Bezugsmöglichkeit bei Amazon (mobi)
ePUB demnächst, Paperback in Vorbereitung


Weitere Artikel zum Thema:
Veröffentlichung im Verlag: Vor- und Nachteile
Self-Publishing: Vor- und Nachteile
Das Hybrid-Modell: Der Verlagsautor als Self-Publisher

Zum Autorenratgeber „Bessere! Romane! Schreiben!“ von Stephan Waldscheidt habe ich hier eine Rezension geschrieben.


Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher? Welche Gründe haben für dich den Ausschlag für deine Entscheidung gegeben? Ich freue mich über Kommentare!


  1. Bonjour,

    ich bin ein sog. erfolgreicher Hybridautor. Alle relevanten Informationen über meine Publikationen und meine Person sind in meinem sehr ausführlichen deutsch-französischen Blog zu finden. In der Tat haben beide Veröffentlichungswege (Verlag und Dienstleister) Vor- und Nachteile. Es ist zwar eminent wichtig, eine qualitative Arbeit zu liefern, es reicht allerdings nicht aus, um sich am Markt zu behaupten. Man muss alle Register der Werbung ziehen können und sich ständig einbringen (Lesungen, zielgruppengerechte Aktionen, Gewinnung der Multiplikatoren etc.).
    Herzliche Grüße
    Pierre Sommet, Krefeld
    Ehemaliger Fachbereichsleiter an der VHS Krefeld

    Januar 28, 2015

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