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Kurzgeschichten schreiben lohnt sich!

Viele erfolgreiche AutorInnen haben mit Kurzgeschichten angefangen, bevor sie ihren ersten Roman schrieben. Kein Wunder, das kompakte Format bietet zahlreiche Vorteile, gerade für Anfänger: Neues ausprobieren, ehrliches Feedback bekommen – und selbst zu Ruhm kann man mit Kurzgeschichten gelangen.

In Kurzgeschichten können AutorInnen neue Genres ausprobieren, mit Sprache und Stil spielen, Figuren testen oder üben, wie man beispielsweise knackige Dialoge oder spritzige Actionszenen schreibt. Und Kurzgeschichten sind ein hervorragendes Mittel, um das eigene Schreibvermögen zu testen, es realistisch einschätzen zu können – mittels Testlesern, die sich meist leichter für einen kurzen Text als für Hunderte von Seiten finden lassen. So lassen sich mithilfe von Kurzgeschichten eigene Schwächen entdecken und in der Folge ausmerzen. Was Sie dabei nicht vergessen sollten: Kurzgeschichten und Romane stellen zum Teil verschiedene Anforderungen. Wer gute Kurzgeschichten schreibt, muss deshalb nicht zwingend in der Lage sein, einen tollen Roman abzuliefern – und umgekehrt.

Kurz: Gute Kurzgeschichten zu schreiben ist eine Kunst für sich. Aber wer sich darauf einlässt, bekommt viele neue Möglichkeiten, seiner Schreibkarriere Schwung zu verleihen.

Kurzgeschichtenforen: LeserInnen und kritisches Feedback zum Nulltarif

Alle AutorInnen benötigen irgendwann ehrliches und kritisches Feedback – positiv wie negativ –, um sich weiterentwickeln zu können. Das können sie in Schreibgruppen in der Heimatstadt bekommen oder in Onlineforen. Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Onlineforen sind anonymer, immer verfügbar und bieten eine größere Community und damit potenziell mehr LeserInnen, mehr Feedback und einen repräsentativeren Durchschnitt an Meinungen als Gruppen vor Ort. Die Gruppe hingegen punktet durch persönlichen Kontakt und eine kleine, in sich geschlossene Gemeinschaft.

Kurzgeschichten.de und sein Angebot

Die Plattform kurzgeschichten.de ist seit Februar 1999 online und wurde von Mirko Perschke ins Leben gerufen, der sie auch heute noch als Webmaster betreibt und von zurzeit 20 ModeratorInnen unterstützt wird. Zum Redaktionsschluss dieser Federwelt-Ausgabe hatte kurzgeschichten.de über 10.000 Mitglieder, listete mehr als 34.000 Themen und weit über 400.000 Beiträge. Viel wichtiger als diese Zahlen ist natürlich, was die Seite ihren Mitgliedern bieten kann. Und das ist eine Menge.

Zunächst einmal können Mitglieder auf kurzgeschichten.de ihre Geschichten veröffentlichen und erste LeserInnen finden, die im Gegensatz zu Mutter, Freund oder Onkel unvoreingenommen sind. Alle Rechte an den Geschichten verbleiben selbstverständlich bei den AutorInnen. Das Angebot ist komplett kostenlos, inklusive aller Zusatzleistungen, die das Forum darüber hinaus bietet.

Haben AutorInnen eine Geschichte eingestellt, lässt der erste Kommentar meist nicht lange auf sich warten. Kurzgeschichten.de hat den Ruf, recht kritisch zu sein und eine hohe Messlatte anzulegen. Aber: Jede Autorin/jeder Autor entscheidet natürlich selbst, welche Kritikpunkte er annimmt und welche nicht. Schließlich ist und bleibt es ihr/sein Text. Spätestens dann, wenn dieselben Punkte mehrfach von unterschiedlichen KommentatorInnen angesprochen werden, sollten AutorInnen aber ehrlich zu sich selbst sein und prüfen, ob der Text nicht doch noch eine Schwäche hat. Entscheiden sie, dass der Text tatsächlich Verbesserungspotenzial hat, können sie ihn direkt im Forum überarbeiten – und das lohnt sich auch. Häufig sehen die KommentatorInnen sich die Geschichten danach noch einmal an und geben Feedback zur neuen Version: Wo hat die Überarbeitung zur Verbesserung beigetragen? Wo ist die Autorin/der Autor nun vielleicht über das Ziel hinausgeschossen?

Alle Leistungen auf kurzgeschichten.de erfolgen ehrenamtlich und unentgeltlich; es gibt somit keinen Anspruch auf Kritiken oder Kommentare. Jedes Forum lebt vom Geben und Nehmen. Wer sich selbst einbringt, ist sehr schnell integriert und bekommt wertvolle Tipps und Hilfen. Wer „nur“ Geschichten ablädt, selbst keine anderen Texte kommentiert und sogar auf die Kritiken zu seinen eigenen Geschichten nicht antwortet und keinen Willen erkennen lässt, an seinen Texten und damit an sich als AutorIn zu arbeiten, wird es auf Dauer schwer haben. Dabei gilt allerdings: Wie es keinen Anspruch auf Feedback gibt, so gibt es auch keinen Zwang zu kommentieren oder sich einzubringen. Verständlicherweise geben sich die anderen KommentatorInnen aber bei denjenigen besondere Mühe, die an einem ernsthaften Austausch interessiert sind. Und Kritiken zu schreiben bringt für das eigene Schreiben mehr, als man auf den ersten Blick meint: Sich bewusst zu fragen, ob einem ein Text gefällt oder nicht, vor allem aber, warum das so ist, bringt gerade in der Anfangsphase des Schreibens sehr viele Aha-Erlebnisse. Garantiert!

Lehrreiche und inspirierende Zusatzangebote

Auf kurzgeschichten.de gibt es einige Zusatzangebote für all jene, die ihr Handwerk weiter schulen möchten oder Inspiration für weitere Geschichten suchen. In der sogenannten „Kreativwerkstatt“ haben AutorInnen die Möglichkeit, gezielt bestimmte Elemente von Geschichten zu trainieren, zum Beispiel Perspektiven oder Dialoge. Die Ergebnisse werden kommentiert wie jede andere Geschichte auch, jedoch mit Schwerpunkt auf die Umsetzung der Aufgabe. Zudem gibt es verschiedene Aufgaben und Übungen, die zum Schreiben animieren. Besonders gern werden dabei das „Copywrite“ und der „Maskenball“ in Anspruch genommen. Zu einem „Copywrite“ melden sich die AutorInnen vorher an. Unter den TeilnehmerInnen wird dann ausgelost, wer von wem eine Geschichte neu interpretieren – oder „kopieren“ – soll. AutorIn A „kopiert“ also AutorIn B, AutorIn B wiederum AutorIn C und so weiter. Den genauen Originaltext stimmen die betreffenden TeilnehmerInnen miteinander ab. Bei der Neuinterpretation des Textes sollen die wichtigsten Figuren aus dem Originaltext erhalten bleiben, auch das Thema und die wesentlichen Handlungspunkte. Die Elemente können aber eine andere Gewichtung bekommen: Zum Beispiel ist der Protagonist nur noch eine Nebenfigur, der Schwerpunkt in den Konflikten wird verschoben et cetera, es können weitere Figuren oder Handlungselemente einfließen und es ist auch möglich, die Geschichte in einem ganz neuen Setting anzusiedeln oder das Genre zu wechseln. Von der bayrischen Alm kann der Schauplatz in den Ruhrpott verlagert werden (wo die Mentalität der Einwohner zu einem neuen Handlungsverlauf führen könnte), aus einem zeitgenössischen Krimi könnte dystopische Science-Fiction werden. So entstehen ganz neue Werke aus bereits geschriebenen Texten. Wer unter Ideenarmut leidet, findet damit schnell ein Thema, zu dem er etwas schreiben kann. Die genaue Auseinandersetzung mit einer Vorlage schult zudem die Beobachtungsgabe und das Bewerten von positiven und negativen Elementen in einem anderen Text. Aus einem fremden Text etwas Neues, ganz Eigenes zu schaffen ist eine große Herausforderung, die gleich mehrere handwerkliche Aspekte trainiert. Eine gute Übung. Wichtig ist dabei immer, dass der Autor des Originaltextes sein Einverständnis zum „Kopieren“ gibt.

Der „Maskenball“ ist – gemessen am Alter des Forums – noch recht neu. Er startete im Februar 2012 und wurde ins Leben gerufen, um Mitgliedern des Forums eine Möglichkeit zu geben, völlig unvoreingenommenes Feedback zu erhalten, denn natürlich baut sich gegenüber langjährigen Mitgliedern im Forum mit der Zeit eine gewisse Erwartungshaltung auf. Beim „Maskenball“ stellt die Autorin/der Autor die Geschichte nicht selbst und unter dem eigenen Mitgliedsnamen ins Forum, sondern der Organisator. Der Text erscheint dann unter dem Namen „Maskenball“. Für zehn Tage ist die Autorin/der Autor nun anonym. In dieser Zeit wird der Text kommentiert und die KritikerInnen können Vermutungen darüber anstellen, wer sich hinter der Maske verbirgt. Anschließend kann die Autorin/der Autor ihren/seinen Text wie jede andere Geschichte überarbeiten.

Das ist ein interessanter Test für AutorInnen: Habe ich bereits einen persönlichen Stil entwickelt, den die anderen Mitglieder unter tausenden AutorInnen erkennen und mir zuschreiben?

Daneben besteht aber auch die Möglichkeit, den „Maskenball“ zu nutzen, um etwas ganz Neues zu probieren – frei von den Erwartungshaltungen der anderen – und die anderen Mitglieder so beim Erraten des tatsächlichen Urhebers aufs Glatteis zu führen. Das Ratespiel ist allerdings nur nettes Beiwerk, hauptsächlich geht es um umfassende, ehrliche und konstruktive Kritiken. Im „Maskenball“ befindet sich stets nur eine Geschichte, sodass Wartezeiten entstehen können.

Daneben gibt es weitere spezielle Angebote auf kurzgeschichten.de:

  • Im Bereich „Teamwork“ können mehrere AutorInnen gemeinsam an einer Geschichte arbeiten. Einer postet den Anfang, ein weiterer greift den Faden auf und ergänzt einen Abschnitt oder gleich eine ganze Szene und so weiter. Eine Zeit lang war das ein beliebtes Vorgehen, das zuletzt ein wenig eingeschlafen ist. Für interessierte Mitglieder besteht aber immer die Möglichkeit, das Konzept zu reaktivieren.
  • Wer Inspiration sucht und von Grund auf etwas Neues schaffen möchte, kann sich Anregungen in der „Wörterbörse“ holen. Dort stehen mehrere Gruppen aus je fünf Wörtern, die in einer Geschichte vorkommen müssen. Wer ein solches Wörterset benutzt hat, teilt das im Bereich der „Wörterbörse“ mit, verlinkt seine Geschichte und darf dann selbst fünf Wörter vorschlagen, die wiederum andere in ihre Geschichte einbauen können. Auf diese Weise sind schon viele tolle Geschichten entstanden. Ein Beispiel für ein Wörterset gefällig? Bitte schön: Freund, Blasphemie, Giraffe, Samt, Staudamm. Sprudeln schon die Ideen?
  • In loser Folge gibt es sogenannte „Challenges“, in denen sich AutorInnen zu einem bestimmten Thema messen können und nach deren Ablauf per Umfrage eine Siegerin oder ein Sieger gekürt wird. Anregungen dazu kann jedes Mitglied einbringen.
  • Im „Kaffeekranz“ können sich die Mitglieder über alles Mögliche austauschen, das nichts mit dem Schreiben zu tun hat.

Ansonsten gibt es:

  • Infos zu Ausschreibungen, bei denen die Teilnahme kostenlos ist,
  • Infos zu Lesungen (mit Tipps zur Durchführung),
  • Bereiche zum Austausch über allgemeine Themen rund ums Schreiben,
  • die Möglichkeit, dass AutorInnenihre eigenen Veröffentlichungen vorstellen.

Ein Forum als Talentschmiede?

Ja! Das Konzept der Seite ist erfolgreich: Viele aktive oder ehemalige Mitglieder können heute Verlagsveröffentlichungen vorweisen. Somit kann man kurzgeschichten.de durchaus als Talentschmiede und Sprungbrett bezeichnen.

Zwischen Redaktionsschluss und Erscheinungstermin dieser Federwelt-Ausgabe wurde das Forum übrigens deutlich erweitert. Es gilt nicht mehr nur für Kurzgeschichten, sondern beispielsweise auch für Romane oder Drehbücher/Theaterstücke. Zudem können Mitglieder nun selbst private Gruppen erstellen und so einen geschlossenen Raum beispielsweise für TestleserInnen schaffen, wodurch Geschichten noch nicht als veröffentlicht gelten. Auch der Name der Seite hat sich geändert (wortkrieger.de), aber kurzgeschichten.de funktioniert weiterhin.

Das passende Forum finden

Natürlich gibt es neben kurzgeschichten.de weitere Foren, in denen man seine Kurzgeschichten einstellen und Feedback erhalten kann, darunter Leselupe.de, die Geschichtenweber, e-stories.de, schreibwerkstatt.de oder schreibfreunde-forum.de. Eine Onlinesuche bietet noch viele weitere Treffer. Wie können AutorInnen nun in der großen Auswahl das für sie passende Forum finden?

Wer frisch mit dem Schreiben begonnen hat und erst einmal schauen möchte, ob ihm das Spaß macht, der ist vielleicht in einem Forum mit Gleichgesinnten gut aufgehoben, die das Schreiben ebenfalls neu für sich entdeckt haben. Ähnliche Probleme und Aha-Erlebnisse können verbinden und eine starke Motivation sein, weiterzumachen.

Wer schon länger schreibt, aber keine großen Ambitionen in dem Bereich hat, wem es also nur um die Freude am Spiel mit Worten geht, der ist vielleicht in einem Forum gut aufgehoben, in dem es hauptsächlich um den gemeinsamen Spaß geht. Das gilt auch für diejenigen, die Ermunterung brauchen, sich überhaupt ans Schreiben zu setzen und ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren: Es gibt Foren, in denen das Feedback grundsätzlich positiv ausfällt – das kann für unsichere AutorInnen der entscheidende Kick zu mehr Selbstbewusstsein sein und zur nächsten Stufe im Entwicklungsprozess.

Wer das Schreiben ernst nimmt und Veröffentlichungen anstrebt – sei es über einen Verlag oder als Selfpublisher –, der sollte sich ein durchaus kritisches Forum suchen, dabei aber darauf achten, dass das Feedback konstruktiv ausfällt und immer sachlich und textbezogen bleibt. Tipp: Prüfen Sie, bevor Sie sich für ein Forum entscheiden, ob der Umgangston stimmt und ob es ModeratorInnen gibt, die eingreifen, wenn dies mal nicht der Fall ist. Denn manche Foren sind unmoderiert, in anderen gilt es vielleicht sogar als schick, sich gegenseitig fertig zu machen. Durch konstruktive Kritik können AutorInnen sich schnell weiterentwickeln und gegebenenfalls sogar Quantensprünge machen, die ihnen beim Schmoren im eigenen Saft nicht gelungen wären.

Um nun herauszufinden, ob ein Forum das richtige für einen ist oder nicht, sollte man sich einige der Geschichten der Mitglieder durchlesen und vor allem auch die Kommentare dazu. Wie ist der Umgangston untereinander? Gefällt mir die Atmosphäre? Wie ist der durchschnittliche Entwicklungsstand? Gibt es einige, denen ich mit meinem Feedback helfen könnte? Gibt es andere, die weiter sind als ich und die mir helfen könnten? Mit solchen Fragen kommt man schnell zu einem passenden Ergebnis.

Weitere Veröffentlichungsmöglichkeiten

In Kurzgeschichtenforen finden AutorInnen also LeserInnen und Feedback. Was aber, wenn man die Übungsphase hinter sich lassen möchte? Wenn man Texte in ein Printmedium bringen oder einen Verlag für sich begeistern möchte? Geht das mit Kurzgeschichten überhaupt? Die Antwort lautet: „Ja, aber …“ Wer zu den noch unbekannten AutorInnen zählt, hat nahezu keine Chance, in die Anthologie eines großen Verlages zu kommen. Aber mit den neuen Veröffentlichungsmöglichkeiten, die der Markt allgemein bietet, sind auch neue Möglichkeiten fürs Unterbringen von Kurzgeschichten entstanden oder alte Optionen haben sich verbessert. Aber der Reihe nach:

  • Anthologien: Für unbekannte AutorInnen sind sie in der Regel nur über Ausschreibungen zugänglich, die in der Regel von kleinen, unbekannten Verlagen stammen. Hier unbedingt darauf achten, dass kein „Startgeld” oder Ähnliches verlangt wird. Geld sollte nur vom Verlag zum Autor fließen! Für Anfänger gibt es bei Veröffentlichung in einer Anthologie allerdings häufig gar keine Vergütung, kostenlose Belegexemplare sollte ihnen der Verlag jedoch wenigstens zur Verfügung stellen. Werden doch Tantiemen gezahlt, handelt es sich um einen kleinen Prozentsatz vom Verkaufserlös, der durch alle in der Anthologie vertretenden AutorInnen geteilt wird.
    –> Wer eine Zusage bekommt, sollte also nicht gleich im Glücksrausch eine Mail an seinen Chef schicken und den Job kündigen. Große Verlage bringen in der Regel nur Anthologien mit Texten heraus, die AutorInnen auf Einladung hin geschrieben haben.
  • Literaturzeitschriften (zum Beispiel „Akzente“, „Edit“, „Asphaltspuren“, „Der Dreischneuß“, „TORSO“, „außer.dem“, „phantastisch!“ sowie das Science-Fiction-Magazin „NOVA“): Bevor man einer Literaturzeitschrift eine Kurzgeschichte zur Veröffentlichung anbietet, sollte man mindestens eine Ausgabe dieser Zeitschrift gekauft und studiert haben. So bekommt man ein gutes Gefühl dafür, welche Art von Texten in der Regel angenommen wird. „Edit“ beispielsweise ist sehr literarisch ausgerichtet, „phantastisch!“ veröffentlicht nur Geschichten aus einem phantastischen Genre.
    –> Veröffentlichungen in einer Literaturzeitschrift machen sich ganz nett in einer Autorenvita, sind aber kein Mittel zum Geld verdienen.
  • Zeitschriften/Magazine: Die Veröffentlichungsmöglichkeiten hier sind stark geschrumpft, früher haben wesentlich mehr Zeitschriften Kurzgeschichten veröffentlicht. Es gibt aber dennoch einige (zum Beispiel Frauenzeitschriften, Fernsehzeitungen und Fachzeitschriften), die Kurzgeschichten annehmen. Hier ist eine Honorierung üblich. Ein Beispiel dafür ist das Magazin für Computertechnik „c’t“, das in jeder Ausgabe eine Science-Fiction-Kurzgeschichte publiziert – je nach Länge auch schon mal in Teilen über mehrere Ausgaben hinweg.
  • E-Book: Diese Veröffentlichungsmöglichkeit ist auf dem Vormarsch. Im digitalen Format spielt die Länge eines Textes für die Herstellung – anders als bei gedruckten Werken – keine Rolle. Kurzgeschichten haben es hier leichter, veröffentlicht zu werden. Inzwischen haben sich sogar einige neue Verlage auf Kurzgeschichten in digitaler Form spezialisiert, zum Beispiel koibooks, der die Geschichten parallel als E-Book und als Hörbuch herausbringt, und CulturBooks, ein ganz neuer Verlag, den Erfolgsautorin Zoë Beck gemeinsam mit Jan Karsten führt. Alle Titel erscheinen dort als E-Book, dabei kann es sich um Romane, Erzählungen in Novellenlänge oder eben auch um Kurzgeschichten handeln. Daneben besteht natürlich immer die Möglichkeit, die E-Books selbst herauszubringen, wobei deutlich höhere Prozentsätze bei den AutorInnen verbleiben als bei einer Veröffentlichung über einen Verlag. Allerdings müssen sie sich dann selbst um Lektorat, Korrektorat, Cover, Satz, Formatierung und Marketing kümmern. Für diejenigen, die die volle Kontrolle behalten möchten und vor dem Aufwand nicht zurückschrecken, kann sich das durchaus lohnen.

Ruhm? Literaturpreise für Kurzgeschichten!

Ja, auch Kurzgeschichten können AutorInnen zu Ruhm verhelfen. Ein paar Möglichkeiten habe ich sogar schon genannt, auch wenn sie sicherlich keine Scharen von Paparazzi in den Vorgarten locken: In bescheidenem Maße kann man Ruhm und Ehre in den Wettbewerben der Foren erhalten und auch eine Veröffentlichung in einer namhaften Literaturzeitschrift ist eine kleine, aber feine Adelung. Und dann gibt es da noch gesonderte Literaturpreise für Kurzgeschichten. Gewinner ehemaliger Runden sind heute oft gefragte AutorInnen, zudem lohnt sich bei manchen der Gewinn auch in finanzieller Hinsicht. Beispiele? Bitte!

  • MDR-Literaturwettbewerb: Insgesamt werden 10.000 Euro verteilt, der Hauptpreis ist dabei mit 5.000 Euro dotiert, zu den bisherigen Gewinnern gehört Clemens Meyer.
  • open mike: Der Preis ist mit insgesamt 7.500 Euro dotiert; hier wurde unter anderem Titus Müller entdeckt – Gründer der „Federwelt“ und heute Autor von zahlreichen historischen Romanen.
  • Glauser: Den Preis für die beste Kriminalstory vergibt das SYNDIKAT – Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur. Er ist mit 1.000 Euro dotiert.

Es gibt viele weitere Wettbewerbe und Literaturpreise, auch für Kurzgeschichten. Auf viele davon weist die Federwelt rechtzeitig vor dem Einsendeschluss hin, eine Fundgrube in dieser Hinsicht ist auch die Seite des Uschtrin Verlags – der die Federwelt herausgibt – unter uschtrin.de.

Der Artikel erschien zuerst in Federwelt Februar / März 2014.

Schreibst du auch gern Kurzgeschichten? Siehst du noch weitere Vorteile als die hier genannten? Oder kannst du mit dem Format wenig anfangen? Ich freue mich über Kommentare!


  1. Ingo Kalt #

    Der Artikel ist sehr interessant und aufschlußreich. Im Abschnitt: „Das passende Forum finden werden in drei kurzen Abschnitten verschiedene Schreibcharaktere angesprochen und Tipps zu passenden Foren gegeben. Hier fehlen ein paar Beispiele „Es gibt Foren in denen das Feetback grundsätzlich positiv ausfällt.“ Welche?
    Aber sonst ein guter Artikel.

    Juli 11, 2014
  2. Hallo Ingo,

    sorry, dass die Antwort so lange auf sich warten ließ!

    Okay, ich bin davon ausgegangen, dass diejenigen, die die Federwelt abonniert haben (und dort erschien mein Artikel zuerst) das Schreiben ernst nehmen und konstruktive, ehrliche Kritik möchten, um sich zu verbessern. Mit Kuschelkritik ist ihnen da weniger geholfen. Aber natürlich kann man Beispiele anführen und wer die ersten unsicheren Schritte geht, ist sicherlich über etwas Aufmunterung froh, bevor er sich ins „Haifischbecken“ der ernsteren Kritiken begibt. Allerdings besteht natürlich auch die Gefahr, dass Fehler sich manifestieren oder man einen Schock bekommt, wenn plötzlich an anderer Stelle Texte verrissen werden, die bisher nur gelobt wurden.

    Ich habe beispielsweise vor … oh, das müssen inzwischen elf Jahre sein … also vor etwa elf Jahren, als ich zum ersten Mal eine Kurzgeschichte von mir in einem Forum hochlud, um Feedback zu bekommen, folgende Erfahrung gemacht: Ich bekam Rückmeldungen von mehreren Leuten, vielleicht acht oder zehn, und allesamt waren sie positiv. Manche Rückmeldungen waren nur kurz, andere ausführlicher, alle aber lobten die Idee, die Ausführung, alles. Kein einziges kritisches Wort. Das war damals auf http://www.literature.de. Ich habe eben nachgeschaut, der Link funktioniert noch, leitet jetzt aber auf http://www.literaturnetz.com weiter. Im Bereich Community unter Forum gibt es anscheinend immer noch die Möglichkeit, Kurzgeschichten einzustellen. Wie die Kritikkultur dort heutzutage ist, weiß ich nicht. Als ich dieselbe Geschichte später auf http://www.kurzgeschichten.de (heute: http://www.wortkrieger.de) einstellte, flog sie mir erst einmal um die Ohren. Ich hatte so ziemlich jeden Anfängerfehler gemacht, den man machen kann. Auf mich hatte das den Effekt: Toll, hier kann ich was lernen, hier bleibe ich. Andere schreckt das vielleicht ab.

    Für Foren, in denen ehrlich und konstruktiv kritisiert wird, habe ich im Artikel ja einige Beispiele gegeben. Für Kuschelkritiken wäre aus alter Erfahrung heraus literature.de (literaturnetz.com) ein Beispiel, aber ich weiß wie gesagt nicht, wie es heute dort aussieht. Falls man so etwas sucht, würde ich die Online-Suchmaschinen bemühen und dann meinem Tipp folgen, den ich auch im Artikel schon gegeben habe:

    Um nun herauszufinden, ob ein Forum das richtige für einen ist oder nicht, sollte man sich einige der Geschichten der Mitglieder durchlesen und vor allem auch die Kommentare dazu. Wie ist der Umgangston untereinander? Gefällt mir die Atmosphäre? Wie ist der durchschnittliche Entwicklungsstand? Gibt es einige, denen ich mit meinem Feedback helfen könnte? Gibt es andere, die weiter sind als ich und die mir helfen könnten? Mit solchen Fragen kommt man schnell zu einem passenden Ergebnis.

    Ich hoffe, das hilft dir weiter.

    Ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar und beste Grüße
    Kerstin

    November 22, 2014
  3. Vielen Dank für den informativen Artikel. Genau das was ich gesucht habe. Zum Beispiel habe ich gar nicht gewusst, dass es noch Literaturzeitschriften gibt. Werde mich gleich mal durch all die Seiten durcharbeiten. Alle Macht den Wortjongleuren!

    November 22, 2014
  4. Hallo Kerstin, vielen Dank für den tollen Beitrag. Natürlich freut mich die Nennung meines Forums http://www.Schreibfreunde-Forum.de

    Wir laden jeden ein sich ein Bild von uns und dem Forum zu machen. Dazu haben wir ganze Bereiche und ein Gästeforum freigeschaltet.

    Ich werde Deinen Blog auch bei uns bekannt machen, ich finde wir sollten uns gegenseitig unterstützen beim schönsten Hobby, das es gibt, dem Schreiben.

    Viele Grüße,
    VAL

    November 29, 2014
    • Hallo Valandil und (wenn auch etwas verspätet) herzlichen Dank für deine Rückmeldung und dein Angebot!
      Ich wünsche dir und deinem Forum weiterhin viel Erfolg und ein fantastisches Jahr 2015!

      Beste Grüße
      Kerstin

      Januar 6, 2015
  5. Sehr informativer und prägnanter Artikel. Vielen Dank!

    Dezember 21, 2014
    • Ganz herzlichen Dank für die Rückmeldung! Ich freue mich immer, wenn meine Artikel hilfreich für jemanden sind.

      Herzliche Grüße
      Kerstin

      Januar 6, 2015
  6. Hallo Kerstin,

    vielen Dank für den informativen Beitrag.
    Vor einiger Zeit habe ich selbst begonnen mit dem Schreiben. Zuerst Kurzgeschichten, dann kamen sogar kleine Gedichte hinzu.

    Ein Freund und ich haben dann beschlossen einen Verlag für Kurzgeschichten zu gründen, der sich vornehmlich auf die Veröffentlichung von Kurzgeschichten von Jungautoren konzentriert.

    Seit einigen Wochen ist unsere Plattform online und wir können schon einige eingesendete Geschichten vorweisen, die wirklich sehr gut sind.

    Du beschreibst in deinem Beitrag auch die Veröffentlichungen in Anthologien und ebooks. Wir kombinieren beides, da wir es für die perfekte Kombination halten.

    Vielleicht kannst du in deinem Blog ein wenig für unsere Sache werben.

    Würde mich sehr freuen. Schau doch ruhig mal auf unserer Seite vorbei und sieh dir genauer an, was wir so machen.

    Liebe Grüße
    Stefan

    http://www.schreib-kraft-werk.de

    Juli 9, 2015
  7. Ein Forum, mit dem ich persönlich gute Erfahrungen gemacht habe, ist das Deutsche Schriftstellerforum dsfo.de Hier gibt es fundierte Kritik und eine sehr hilfsbereite Community.
    Ich schreibe hin und wieder auch Kurzgeschichten und fand den Artikel sehr interessant – vielen Dank dafür!

    August 18, 2015
  8. Franz Kessler #

    Hallo

    Mit zunehmenden Alter entdecke ich bei mir eine Liebe zum schreiben, Leserbriefe sind z.B. ein Produkt dieser Entwicklung, unsere Regionalzeitung veröffentlicht jeden Tag 3 Leserbriefe, wovon ein Brief beantwortet wird.
    Ich kann nun auf eine große Zahle beantworteter Briefe verweisen, nun möchte ich einen nächsten Schritt wagen, Kurzgeschichten, vor allem selbst erlebte Geschichten mit großem Unterhaltungswert, dabei sehe ich aber das Problem, die Protagonisten leben meistens noch, da fehlen mir die Ideen wie man damit umgehen könnte.
    Wäre es möglich, dass Sie mir da einige Ratschläge zukommen lassen könnten.

    mit freundlichen Grüßen

    Franz Kessler

    September 1, 2015
    • Hallo Herr Kessler und zunächst einmal vielen Dank für den Kommentar!

      Nun, mit den selbst erlebten Geschichten ist das so eine Sache. Dabei gibt es gleich zwei Probleme:

      1. Man selbst hält die Begebenheiten oft für deutlich interessanten als der Rest der Bevölkerung, weil man selbst mittendrin steckt. Immerhin geht es um das eigene Leben! Schreiben kann man natürlich darüber und solange es einem Spaß macht, sollte man es auch auf jeden Fall tun. Ich möchte nur zu bedenken geben, dass solche Geschichten oft nicht viele Leser (geschweige denn Käufer) finden, sollte das ein Ziel sein. Sie sollten sich fragen, was der Leser von diesen Geschichten hat – und möglichst objektiv zu ergründen versuchen, ob ein wildfremder Mensch, der weder Sie noch Ihre Bekannten und schon gar nicht die Beziehungsgeflechte kennt, diese Geschichten interessant und spannend finden würde. Das bezieht sich aber nur auf den (etwaigen) Veröffentlichungsprozess. Spaß an einer Sache ist eine große Motivation und wie schon gesagt: Wenn Sie Lust darauf haben, diese Geschichten oder Anekdoten zu schreiben: nur zu! Ihre Schilderung suggeriert aber, dass Sie eine Veröffentlichung anstreben – denn lägen die Geschichten letztlich nur in einer Schublade, gäbe es gar kein Problem. Sollen diese Geschichten aber an die Öffentlichkeit, gibt es neben der Frage, ob Leser sich überhaupt dafür interessieren, ein weiteres.

      2. Und dieses Problem betrifft, wie Sie ganz richtig vermuten, das Persönlichkeitsrecht. Real existierende Personen in Geschichten einzubauen ist höchst heikel. Ich bin keine Juristin und kann und darf daher keine Rechtsberatung in dieser Hinsicht geben. Zudem sind die Gerichtsurteile – wenn es denn zu Klagen und Gerichtsverfahren kommt – immer Einzelfallentscheidungen. Auf eine davon möchte ich Sie gerne hinweisen, dann wird das Risiko deutlicher, denke ich. Denn selbst wenn Sie den Figuren in den Geschichten andere Namen geben und auch einige Handlungen/Dialoge oder Eigenarten verfremden, kann ein Gericht ein Problem darin sehen, wenn Leser (auch nur ein Teil der Leser) diese Personen dennoch identifizieren können. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Roman „Esra“ von Maxim Biller. Hier gibt es dazu weitere Infos, auch zur Klage und den Gerichtsurteilen in diversen Instanzen: https://de.wikipedia.org/wiki/Esra_%28Roman%29

      Kurz gesagt: Ich würde das Risiko nicht eingehen und mir lieber Geschichten und fiktive Figuren ausdenken, zumindest dann (und dann in jedem Fall), wenn ich die Geschichten in welcher Art auch immer veröffentlichen wollen würde. Alles andere können Sie beispielsweise in ein Tagebuch schreiben, das eben nicht veröffentlicht wird.

      Ich hoffe, diese Anregungen helfen Ihnen bei Ihrer Entscheidung.

      Beste Grüße
      Kerstin

      September 15, 2015
  9. Nina #

    Kurzgeschichten schreiben lohnt sich auf jeden Fall. Ich habe mit 16 meine erste Kurzgeschichte in einem Verlag veröffentlichen dürfen und die Erfahrung mit Vorlesung hat sich echt gelohnt!

    LG

    September 19, 2015
  10. Elmar #

    Leider scheint man es bei Wortkrieger nicht so ganz mit der Literaturwissenschaft zu haben. Ich habe dort eine politische Kurzgeschichte, bestehend aus wenigen Zeilen, veröffentlicht. Diese entsprach der gängigen Definition von Kurzgeschichten, war weder beleidigend noch anstößig.
    Diese wurde jedoch umgehend gelöscht. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass dies keine Kurzgeschichte sei, sondern „ein zweizeiliger Witz“ gefolgt von einigen unangemessenen Worten.

    Ich hab mich glech wieder löschen lassen. Würde man heute Heinz Erhardt, Ernst Jandl, Wilhelm Busch auch löschen?

    Januar 29, 2016
  11. H-W. Vogelwiesche #

    Der Artikel ist sehr direkt und kommt auf den Punkt! So sieht echte Hilfe aus!
    Vielen Dank dafür! Und für die Arbeit!

    März 28, 2016
    • Verspätet, aber nicht minder herzlich, meinen Dank für das Feedback! Das liest man natürlich gern!

      Beste Grüße
      Kerstin

      Juni 9, 2016
  12. Ich habe viele hilfreiche links gefunden und super gute Information. Ich war bis jetzt – zwei Bücher geschrieben – der „lonely author“ gewesen, und bin jetzt auf der Suche nach Gleichgesinnten. Danke!!

    April 14, 2016
    • Freut mich sehr, dass der Artikel helfen konnte! Und Austausch ist immens wichtig, gerade am Anfang, aber im Grunde auch noch bei erfahreneren Autoren. Ich hoffe, du hast ein paar Gleichgesinnte finden können.

      Beste Grüße
      Kerstin

      Juni 9, 2016
  13. Flo #

    Super hilfreicher Artikel! Was ich aber hinzuzufügen hätte, wäre das Portal https://StoryHub.de – Das bietet sich auch gut für sämtliche literarische Veröffentlichungen an und ist besonders modern.

    Februar 19, 2017

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