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Die Qual der Wahl: Wie finde ich mein passendes Genre?

Wer mit seinen Büchern kommerziell erfolgreich sein will, der schafft das am besten mit dem Schreiben von Genreliteratur. Und zwar durch die Veröffentlichung vieler Bücher in demselben Genre. Doch wie entscheidet man sich für ein Genre? Und ist man auf Lebenszeit an dieses Genre gebunden? Was sollte man bedenken, wenn man statt des nächsten Fantasybandes einen Thriller oder Science Fiction veröffentlichen möchte?

Genres in der Unterhaltungsliteratur

Die Einteilung der Unterhaltungsliteratur in Genres ist historisch gewachsen. Hauptsächlich waren Marketinggesichtspunkte dafür verantwortlich. In den Buchhandlungen mussten und müssen die Bücher schlicht so präsentiert werden, dass die Kunden schnell zu den Produkten finden, die sie interessieren. Und Bücher sind nun mal auch Produkte – Kunst hin oder her.

So kamen die Genrebezeichnungen an die Regale in den Buchhandlungen – und in den Verlagen wurden (und werden immer noch) Manuskripte zu einem sehr großen Anteil danach ausgewählt, ob sie sich gut in eine dieser Kategorien einteilen lassen. Ich habe schon von vielen Ablehnungen (keine der üblichen Standardabsagen) gehört, die einem Manuskript zwar bescheinigten, dass es toll geschrieben und sehr spannend sei, dass aber dennoch die Verkaufschancen als gering eingeschätzt würden, weil man schlicht nicht wisse, welchem Genre man das Manuskript zuordnen solle.

Erwartungen der Verlage und der Leser

Wer traditionell bei einem Verlag veröffentlichen möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass sein Roman später in einem Regal in der Buchhandlung landen soll – und daher in ein Genre passen sollte. Das gilt vor allem für die großen Publikumsverlage, die sehr genau danach schauen, dass die Genregrenzen eingehalten werden. Kleinverlage produzieren auch schon einmal aus Liebhaberei für ein Nischenpublikum. Aber auch sie versuchen, erfolgreiche Bücher zu machen und mit ihren Produkten in die Buchhandlungen zu kommen.

In der Genreliteratur gibt es gewisse Erwartungen der Leser, die der Autor erfüllen sollte, wenn er seine Leser nicht vergraulen will. Das hört sich zunächst nach einer großen Einschränkung an, aber es bleiben doch auch genügend Freiheiten für den Autor, etwas ganz eigenes und Neues zu schaffen. Und es gibt einen riesigen Vorteil, vor allem, wenn der Autor mehrere Bücher in demselben Genre veröffentlicht hat: Der Leser, der an einem Buch Gefallen gefunden hat, wird wahrscheinlich auch zu einem weiteren aus derselben Feder greifen, wenn es in demselben Genre angesiedelt ist. Und je mehr Bücher ein Autor auf dem Markt hat, desto mehr Chancen hat der Leser, den Autor zu entdecken.

Mehr Entscheidungsfreiheit für Autoren durch Self-Publishing

Heutzutage gibt es die noch sehr neue Möglichkeit, Bücher schnell, einfach und kostengünstig unter Umgehung der traditionellen Verlage selbst zu publizieren: als E-Book auf Plattformen wie zum Beispiel Amazons Kindle Direct Publishing, XinXii oder BookRix (Konditionen vergleichen!) und/oder als gedrucktes Buch per Publishing on Demand (auch hier gibt es verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Konditionen und Leistungen). Damit erlangt der Autor auch die Freiheit, Genregrenzen zu sprengen, vielleicht sogar einen Genremix anzubieten. Es gibt durchaus schon Beispiele für solche Experimente, die erfolgreich sind – und die kein Verlag jemals herausgebracht hätte.

Ich finde es klasse, dass die Buchlandschaft damit bunter wird und nicht nur Bücher nach dem immer gleichen Muster auf den Markt kommen. Trotzdem plädiere ich zur Vorsicht: Es kann nicht im Interesse des Autors sein, die Leser in die Irre zu führen oder zu enttäuschen. Wenn das Buch also extrem ungewöhnlich ist oder einen wilden Genremix beinhaltet, dann sollte das schon aus der Buchbeschreibung hervorgehen. Steht beispielsweise Thriller auf dem Cover, reagieren die meisten Leser vermutlich allergisch, wenn plötzlich Fantasyelemente auftauchen.

Das passende Genre wählen

Um das für sich passende Genre zu wählen, hilft ein Blick ins eigene Bücherregal. Das Genre, das dort dominiert, dürfte das sein, das man selbst am liebsten liest. Und als Autor sollte man das schreiben, was man gern selbst lesen möchte. Zudem kennt man sich in dem betreffenden Genre am besten aus, man hat durch die ausgiebige Lektüre zahlreicher Titel in dem Genre bereits (wenn auch vielleicht unbewusst) viele hilfreiche Hinweise zu Struktur und Aufbau und zu den klassischen Zutaten dieser Genreliteratur bekommen.

Wer exzessiv in einem Genre liest, hat zudem sicher schon viele gute, aber auch einige schlechte Bücher dieser Kategorie gelesen. So kann man ein Gespür dafür entwickeln, was gut funktioniert und was nicht. Oder zumindest dafür, was man selbst gern mag und was nicht.

Wechsel zu einem anderen Genre

Der Autorenname ist eine Marke. Die Leser erwarten unter dem Namen eine bestimmte Art der Literatur. Würde ich mir beispielsweise den neuesten Roman von Stephen King kaufen und hielte plötzlich eine Liebesschnulze in den Händen, wäre ich erstens verwirrt und zweitens sauer. Natürlich gibt es auch einen Markt für Liebesschnulzen und das ist gut so. Aber in der Regel ist das nicht das gleiche Zielpublikum wie das für Horrorliteratur und meine Erwartung beim Kauf des Buches wäre enttäuscht worden.

In den Verlagen hat man das erkannt und rät den Autoren in der Regel zu einem Pseudonym, wenn sie das Genre wechseln. Ich halte das für eine gute Strategie. Aber sicher ist ein Namenswechsel nicht bei jedem Genrewechsel vonnöten.

Viele Genres sind in zahlreiche Subgenres untergliedert. Beispielsweise kann man das Genre Thriller (das viele als Subgenre von Kriminalliteratur ansehen, andere sehen Spannungsliteratur als Hauptgenre und Krimi und Thriller als Subgenres dazu) in zahlreiche weitere Subgenres gliedern: Gerichts- oder Justizthriller, Medizinthriller, Psychothriller und so weiter. Wer zwischen diesen Sub- (oder Sub-Sub-)Genres wechselt, braucht sicherlich nicht über einen Namenswechsel nachdenken. Auch innerhalb der Spannungsliteratur insgesamt würde ich noch nicht zu einem neuen Namen greifen. Selbst bei einem Wechsel zu beispielsweise Fantasy oder historischem Roman würde ich mir einen Namenswechsel gut überlegen. Handelt es sich beispielsweise um einen historischen Krimi, dann kann der Autorenname als Marke durchaus ein Verkaufsargument sein. Es ist nur wichtig, dass auf dem Cover und im Klappentext das Genre deutlich wird. Bei einem drastischeren Wechsel, beispielsweise zum Liebesroman oder zur Kinderliteratur, würde ich aber definitiv ein (anderes) Pseudonym wählen.

Bildnachweis: Alex Nikada / iStockphoto


Schreibst du in unterschiedlichen Genres? Wie gehst du damit bei einer Veröffentlichung um? Hast du schon unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht oder überlegst du das für die Zukunft? Ich freue mich auf Kommentare!

  1. Hallo Frau Brömer,
    ich bin Buchautor, schreibe in unterschiedlichen Genres und habe mir und meinen Verlagen ebenfalls immer wieder die Frage nach einem Pseudonym zur Diskussion gestellt. Zur Erklärung:

    Mein erstes Buch habe ich im Jahr 2006 anlässlich eines Jubiläums einer Fußballmannschaft regional, ohne Verlag veröffentlicht. Eigentlich war das Ganze als einmalige, spaßige Aktion gedacht. Aufgrund des großen Erfolges nahm ich mir vor, bei Gelegenheit ein weiteres Buch schreiben zu wollen, wobei sich an dieser Stelle mir damals auch schon die Frage des Genres stellte. Ideen spukten genug in meinem Kopf herum 🙂

    Mein zweites Buch mit dem Titel „Achterbahn zum ersten Milchzahn“ habe ich dann geschrieben, nachdem meine Frau damals an dem relativ unbekannten HELLP-Syndrom (der schlimmsten Form einer Schwangerschaftsvergiftung) erkrankt war. Ich habe das Buch geschrieben, weil ich meine Erfahrungen an andere Eltern bzw. werdende Eltern weitergeben wollte/will und um mehr Aufmerksamkeit fürs HELLP Syndrom zu erzeugen. Das Buch wurde dann zu meiner großen Freude im Oktober 2009 im Sankt Ulrich Verlag erfolgreich in Deutschland, Schweiz und der Österreich veröffentlicht. Somit hat sich für mich der Genres Ratgeber/Lebenshilfe für Eltern sozusagen automatisch ergeben, obwohl das eigentlich nie vorgesehen war und ich jemals im Traum daran gedacht hätte.

    Da ich grundsätzlich ein humorvoll eingestellter Mensch bin, wollte ich zu diesem Buch unbedingt ein Fortsetzungsbuch schreiben. Und was soll ich sagen: Es ist wieder ein Buch für Eltern mit vielen Tipps und Tricks geworden, diesmal jedoch noch wesentlich humorvoller verpackt. Das Ganze als Highlight aus der Sicht meines kleinen Sohnes „Marlon“ geschrieben. Ich freue mich sehr, dass dieses Fortsetzungsbuch mit dem momentanen Arbeitstitel „Milchzahn der Zweite-Jetzt rede ich“ bis Mitte dieses Jahres, diesmal im Verlag Monika Fuchs veröffentlicht werden wird. Hier auch ein Link zur Info:
    http://medienbuero-fuchs.de/fmf/?p=866

    Aber das ist für dieses Jahr noch nicht alles. Ca. im September/Oktober wird dann auch schon das nächste Buch von mir veröffentlicht. Diesmal zu Themen wie Tod, Sterben, Trauer etc., also wieder ein gkomplett anderes Genres. Nach Rücksprache mit dem Oculus Verlag (http://www.oculus-verlag.de/) haben wir uns aber aufgrund meines Namens gegen ein Pseudonym entschieden. Aber das Thema „Pseudonym“ stand erneut zur Diskussion. Ich denke in meinem Fall ist das allerdings kein Problem, weil ich nicht müde werde zu betonen, dass ich meine Leser gerne überrasche. Der Leserschaft wird im Vorfelde natürlich eine ausführliche Inhaltsangabe zum Buch geboten, insofern weiß man, was einen erwartet. Damit bin ich und die Verlage bisher gut gefahren und positive Rückmeldungen von den Lesern bestätigen das, was mich persönlich natürlich sehr freut.
    Und wer weiß, vielleicht schreibe ich ja auch mal z.B. ein Buch aus dem Bereich „Thriller“? Ich lasse das selbst auf mich zukommen. Wie geschrieben, Ideen spuken genug in meinem Kopf herum. Bisher war es bei all meinen Büchern so, dass sich der Inhalt auf die eine oder andere Art ergeben hat. Und nachträglich betrachtet, bin ich selbst überrascht wie sich das Alles so entwickelt hat.
    Anhand der unterschiedlichen Verlage in denen meine Bücher veröffentlicht werden, kann man sicherlich auch erkennen, dass es sich um völlig unterschiedliche Genres handelt.

    In diesem Sinne, wünsche ich allen Autoren, egal welchen Genres bzw. Namen viel Erfolg und keine Schreibblockaden 🙂

    Herzliche Grüße,
    Thomas Scholtyssek

    Februar 6, 2012
    • Hallo Herr Scholtyssek,

      eine bewegte Autorenlaufbahn. 😉

      Ich würde alle Ihre Bücher dem „populären Sachbuch“ zuordnen. Die letztgenannten drei könnten sogar alle unter dem Verlagsbereich „Psychologie und Lebensführung“ Ihres neuesten Verlags laufen. Die Bücher behandeln zwar unterschiedliche Themen, aber das Genre bleibt durchaus gleich. Dann lohnt sich natürlich ein Festhalten am etablierten Namen. Für einen Thriller, so Sie denn tatsächlich eines Tages einen schreiben sollten, könnten Sie sich ja vielleicht doch einen anderen Autorennamen überlegen.

      Weiterhin viel Inspiration und Kreativität wünscht
      Kerstin Brömer

      Februar 6, 2012
      • Hallo Frau Brömer,

        vielen Dank für die netten Worte. „Populäres Sachbuch“ klingt doch prima 😉 -gefällt mir gut. Und sollte ich wirklich jemals einen „Thriller“ schreiben, nehme ich Ihren Tipp gerne an. Momentan bin ich für mein nächstes Buch noch völlig offen. Nun heißt es erstmal „Milchzahn der Zweite-Jetzt rede ich“ und „Begegnungen- Grüß Gott Herr Tod“ erfolgreich auf dem Buchmarkt 2012/2013 zu platzieren.

        Herzliche Grüße,
        man liest sich spätestens bei Twitter :),
        Thomas Scholtyssek

        Februar 7, 2012

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