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Das Hybrid-Modell: Der Verlagsautor als Self-Publisher

Die Buchbranche ist im Umbruch. Autoren haben mehr Veröffentlichungsoptionen als je zuvor. Schon bilden sich unterschiedliche Lager mit verhärteten Positionen: Die einen sehen die Veröffentlichung im Verlag als den einzig wahren Weg und blicken verächtlich auf die Indie-Autoren herab, die anderen setzen voll aufs Self-Publishing und schimpfen auf die Verlage, die in ihren Augen nun komplett überflüssig sind. Die beste Option für Autoren liegt aber in einer dritten Variante: im Hybrid-Modell.

Das Hybrid-Modell à la J. K. Rowling

Die perfekte Veröffentlichungsvariante für den Hybrid-Autor wäre es, wenn er die gedruckten Bücher über einen Verlag und die E-Books per Self-Publishing herausbringen könnte. Denn für Printbücher ist der mit Abstand wichtigste Vertriebsweg immer noch der stationäre Buchhandel, zu dem in der Regel nur die Verlage Zutritt haben. Bei E-Books spielt der Verlag dagegen im Vertrieb keine Rolle: In den Online-E-Book-Shops stehen die Bücher der Indie-Autoren gleichberechtigt neben denen der Verlagsautoren – und wenn sowohl die einen als auch die anderen ein professionelles Cover haben, kann niemand auf Anhieb sagen, welches Buch selbst veröffentlicht ist. Dabei bekommen Indie-Autoren, die ihr E-Book zum Beispiel bei Amazon selbst eingestellt haben, dort bis zu 70 Prozent Tantiemen, die Verlagsautoren aber nur etwa 20 Prozent des Nettoverkaufspreises.

Es gibt ein sehr bekanntes Beispiel für diese Variante: J. K. Rowling gibt die E-Books ihrer Serie um Harry Potter auf ihrer eigens konzipierten Plattform Pottermore selbst heraus. Doch inzwischen hat sich diese Variante erledigt. Es gibt meines Wissens nach keine Verlagsverträge mehr, die die Rechte für E-Books ausklammern. Kein Wunder, die Verleger von Rowling raufen sich sicher noch heute die Haare …

Der moderne Hybrid-Autor

Ist das Hybrid-Modell also passé? Mitnichten! Ein Hybrid-Autor kann einige Bücher im Verlag und andere selbst veröffentlichen. So kann der Autor mehr Bücher herausbringen, als das mit den wenigen Programmplätzen der Verlage möglich wäre, und er kann bei den selbst veröffentlichten Titeln die besseren Konditionen für Autoren abgreifen (speziell bei E-Books, die immer interessanter werden). Auf der anderen Seite profitiert er bei den anderen Titeln davon, bei einem Verlag verlegt zu sein, was immer noch ein dicker Pluspunkt in Bezug auf den Autorenruf ist. Zudem hat er in Publikumsverlagen die Gelegenheit, mit langjährigen Profis in der Branche zu arbeiten – beispielsweise mit den Verlagslektoren – und so am eigenen Handwerk zu feilen und viel über das Buchgeschäft zu lernen, was ihm letztlich auch für seine Indie-Karriere zugute kommt. Noch ein Vorteil dieser Hybrid-Variante: Die Leser haben mehr Möglichkeiten, den Autor zu entdecken. Vielleicht finden sie eins seiner Werke in der Buchhandlung, sind begeistert, und kaufen später für ihren neuen E-Reader auch die selbst veröffentlichten Titel im E-Book-Shop.

Einige erfolgreiche Autoren, die schon seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten im Geschäft und bei Verlagen unter Vertrag sind, nutzen dieses Hybrid-Modell und bringen beispielsweise ihre Backlist nun als E-Books selbst heraus – also die Bücher, die inzwischen nicht mehr lieferbar sind, die der Verlag nicht mehr nachdrucken lässt und an denen der Autor die Rechte zurückerhalten hat. Eine andere Variante: Ein Hybrid-Autor könnte bei neueren Werken zum Beispiel nach Genres trennen, wenn er denn in mehreren Genres schreibt, also zum Beispiel die Thriller im Verlag veröffentlichen und Fantasy selbst herausbringen. Oder er kann im gleichen Genre eine Serie im Verlag und Stand-alone-Titel selbst veröffentlichen – oder andersherum. Er könnte auch im Verlag unter einem anderen Namen veröffentlichen als per Self-Publishing – aber Vorsicht: Autoren sollten versuchen, sich eine Marke aufzubauen. Der Autor ist die Marke, nicht der Verlag oder eine Buchserie.

Bei dieser Form des Hybrid-Modells ist es wichtig, auf den Verlagsvertrag zu achten. Manche Verlage lassen sich im Vertrag Optionen auf weitere Werke des Autors einräumen, das heißt, der Autor muss weitere Werke zunächst dem Verlag zur Prüfung geben, der dann entscheiden kann/darf, ob er das Werk verlegt oder nicht. Diese Prüfung kann lange dauern – und schließlich doch darin resultieren, dass der Verlag abwinkt. In solchen Fällen sollte man am besten Fristen setzen, sofern sie nicht im Vertrag festgelegt sind! Perfekt sind natürlich Verträge über ein Werk oder eine Serie oder bestimmte Folgeverträge (zum Beispiel über drei schon genau umrissene Bücher). Pauschal Optionen einzuräumen, halte ich für falsch.

Bist du ein Verfechter des traditionellen Veröffentlichens? Oder siehst du deine Zukunft im Self-Publishing? Oder könntest du dir ebenfalls die Hybrid-Variante vorstellen? Ich freue mich über Kommentare!

Siehe auch:
Veröffentlichung im Verlag: Vor- und Nachteile
Self-Publishing: Vor- und Nachteile

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